Thursday, March 30, 2017

Andreas Föhr - Wolfsschlucht

In Andreas Föhrs sechstem Fall am Tegernsee ermittelt Kommissar Clemens Wallner in zwei Fällen, die zunächst nur eine Sache gemeinsam haben: Kollege Leonhardt Kreuthner ist wieder einmal darin verwickelt. Ein Bestattungsunternehmer steckt mitsamt seinem Leichenwagen in der Mangfall, was zunächst als Scherz einer durchzechnten Nacht mit Kreuthner und seinen Kumpanen begann, aber tödlich endete - der Mann wurde erschossen. Gleichzeitig verschwindet eine junge Frau verschwindet. Ihr Wagen wird kurz darauf im Gebirge gefunden – aufgespießt von einem Maibaum.
Für dieses, eher bizarr anmutenden Element des Falls ist wiederum Kreuthner verantwortlich, da dessen wirrer Plan für einen Maibaumklau eine etwas andere Wendung nahm als geplant.
Wallner sieht sich einmal mehr in der Lage, den Kollegen verteidigen zu müssen, liefert dieser doch außer seinen immer am Rand der Legalität verlaufenden Scherzen auch immer wieder für den Fall relevante Hinweise - wenngleich auch diese auf die typisch kreuthnersche Art gesichert werden.
Diesmal gleiten die Ermittlungen allerdings nicht in den Slapstick ab (wie zuletzt bei Totensonntag), sondern die Fälle werden konsequent ermittelt, wenngleich am Ende Kommissar Zufall etwas nachhilft. Der Fall bekommt zudem eine sehr persönliche Note für Wallner, sieht er sich doch gleich auf mehreren Ebenen mit seiner persönlichen Familiengeschichte konfrontiert. Etwas zu kurz kommt meines Erachtens am Ende der Aspekt der Motivation hinter den Taten - hier wird eine Familiengeschichte des Missbrauchs der anderen Art angerissen, aber für die Betroffenen nicht weitergedacht, kein Ausblick gewagt, besonders optimistisch wird sie nicht sein, aber der Autor gewährt uns keine Innensicht mehr.
Die Lesung von Michael Schwarzmaier ist sehr gelungen wie immer und sicherlich auch einer der Gründe, warum ich die bisherige Reihe in einem relativ kurzen Zeitraum komplett verschlungen habe.

Andreas Föhr, Wolfsschlucht. Argon 2015.

Liste der bisherigen Fälle:
Der Prinzessinnenmörder (2009)
Schafkopf (2010)
Karwoche (2011)
Schwarze Piste (2012)
Totensonntag (2013)
Wolfsschlucht (2015)

Monday, March 27, 2017

Jirō Taniguchi - Die Sicht der Dinge

Nachdem ich die Kurzgeschichtensammlung Von der Natur des Menschen von Utsumi/Taniguchi gelesen hatte, war ich neugierig auf die anderen Werke des Künstlers Jirō Taniguchi.
In Die Sicht der Dinge geht es um Yoichi, der nach dem Tod des Vaters erstmals wieder in seinen Heimatort Tottori zurückkehrt. Dort wird er warmherzig von seiner Familie empfangen, obwohl er diese seit 15 Jahren nicht mehr besucht hat. Bei der Totenwache erzählen ihm seine Verwandten von ihren Erinnerungen an den Vater - und zeichnen dabei ein ganz anderes Bild von den Ereignissen seiner Kindheit und Jugend, als jenes, an dass sich Yoichi zu erinnern glaubt. Nur zögernd kann er sich eingestehen, dass er seine Ansichten revidieren muss.
Obwohl klar wird, dass Yoichi seinem Vater gegenüber ungerecht war und viele Dinge andere (Hinter-) Gründe hatten, als er angenommen hatte, ist der Grundton des Romans nicht vorwurfsvoll. Yoichi trauert darum, nun keine Gelegenheit mehr zu haben, mit dem Vater zu sprechen und sein Verhältnis zu ihm zu verändern. Er erkennt an, dass die Ähnlichkeiten zwischen seinem Vater und ihn nichts sind, was er ablehnen muss, im Gegenteil kann er annehmen, dass die gütigen Grundzüge des Vaters auch in ihm zum Tragen kommen. So kann der Verlust bewirken, seine eigene Einstellung zu Familienbanden und zur Verknüpfung von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zu überdenken und diese zu verändern. Eine zwar traurig-tragische Geschichte, die aber positiv im Blick behält, dass Menschen sich immer dafür entscheiden können, ihren Lebensweg und ihre Lebenseinstellung zum Guten zu verändern.

Jirō Taniguchi, Die Sicht der Dinge. Carlsen, Hamburg 2008.

Friday, March 24, 2017

Aldous Huxley - Schöne neue Welt

Ein Roman der Zukunft - 2540 n. Chr.spielt Aldous Huxleys Dystopie von 1932. Der Titel bezieht sich auf ein Zitat aus Shakespeares Drama Der Sturm (5. Akt, Vers 181-183):
„O, wonder! How many goodly creatures are there here! How beauteous mankind is! O brave new world, that has such people in’t!“

(dt. „O, Wunder! Wie viele herrliche Geschöpfe es hier gibt! Wie schön der Mensch ist! O schöne neue Welt, die solche Bürger trägt!“)
Doch so wundervoll und herrlich ist natürlich nichts in dieser Zukunftswelt. Oder doch?
Durch die Augen der Protagonisten Lenina, Bernhard, Helmholtz und John, dem "Wilden" wird uns eine Welt präsentiert, die eine perfekt funktionierende Gesellschaft bietet. Durch genetische Manpulation und künstliche Fortpflanzung wird die Menschheit in fünf Kasten hineingeboren und diesen Kasten entsprechend konditioniert. Der Konditionierung entsprechend sind sie mit ihren jeweiligen Lebensaufgaben zufrieden, haben ein geregeltes Arbeits-, Freizeit- und Sexualleben. Sollte trotzdem ein Unwohlsein auftreten, wird dem mit der Einnahme von Soma, einer staatlich verordneten Dauerdroge entgegengewirkt. Ein Verlassen des vorgezeichneten Lebenswegs ist nicht vorgesehen, der Wunsch danach kommt selten auf und wird dann als unnormal und krankhaft wahrgenommen. Dazu zählt der Wunsch nach einer andauernden Beziehung, nach Fortpflanzung, nach künstlerischen Ausdruck oder wissenschaftlicher Forschungsdrang - alles Dinge, die in dieser Welt nicht vorkommen. Die Religionen sind durch eine Art Kult um den Automobilhersteller Henry Ford ersetzt worden.
Es gibt einige wenige Menschen, die als Naturvölker ohne den Komfort des Fortschritts in Reservaten und in einem anderen Gesellschafts- und Wertesystem leben. Bei einem Besuch in einem solchen Reservat, entdecken Lenina und Bernhard den "Wilden" John, der als Außenseiter dort lebt, da seine Mutter nicht zum Stamm gehörte. Er folgt den beiden in die Zivilisation und befindet sich bald in einem unauflösbaren Konflikt zwischen den beiden Systemen, der tragisch endet. John ist es auch, der Teile seines Wissens aus einer alten Shakespeare-Gesamtausgabe bezieht, aus der er regelmäßig zitiert (Titelbezug).
Huxleys Roman hat trotz der vielen technologischen Errungenschaften der Jetztzeit, die denen im Buch nahe kommen, seinen dystopischen Charakter nicht verloren. Oder ist die gleichförmige, gleichgültige, drogeninduzierte Zufriedenheit doch eine Utopie - etwas Wünschenswertes, auch wenn es mit dem Verlust von Familie, Kunst, Geschichte und Glauben einhergeht? Wohl eher nicht, auch nicht vor dem Hintergrund eines zunehmend versagenden kapitalistischen Gesellschaftssystems. Es stecken noch viele interessante Fragen in dem Roman, auch wenn es andere Fragen sind, als man sie sich vielleicht 1935 beim Erscheinen gestellt hat. Nicht ohne Grund ist es ... ein Klassiker, ein Meilenstein der Literaturgeschichte.

Aldous Huxley, Schöne neue Welt. Hörverlag 2013.

Monday, March 20, 2017

Enid Blyton - Fünf Freunde auf der Felseninsel

Fünf Freunde auf der Felseninsel ist die sechste Folge der beliebten Reihe von Enid Blyton und besonders bei dieser Geschichte, bei der Onkel Quentin die Felseninsel besetzt, um Experimente zu machen, deren Ergebnisse ihm natürlich gestohlen werden sollen, hatte ich die Hörspielfassung deutlich im Ohr. Ganze Dialoge und Erzählpassagen sind fast wortwörtlich aus dem Buch entnommen, so dass mein Gehirn noch die Soundeffekte der sirrenden Drähte im Turm und Timmys Gebell im Tunnel dazu einblenden konnte. Wunderbare, unterhaltsame Wiederbegegnung mit einem Buch, das im Original erstmals 1947 (!) erschien.

Enid Blyton, Fünf Freunde auf der Felseninsel. cbj, München 2015.

Sunday, March 19, 2017

Andreas Suchanek - Das Erbe der Macht - Band 1: Aurafeuer

Bei einer Verlosung zur Leserunde habe ich auf wasliestdu einen Sammelband mit den ersten drei Bänden der Reihe "Das Erbe der Macht" von Andreas Suchanek gewonnen.
Es handelt sich um eine Urban Fantasy Reihe, bei der Magier und Menschen durch einen magischen Wall voneinander getrennt leben. Die guten Magier, die Lichtkämpfer, werden bedroht von den Schattenkriegern, den bösen Magiern.
In Aurafeuer wird der Leser Hals über Kopf in diese magische Welt gestürzt und muss sich in einer Vielzahl neuer Begriffe und Gegebenheiten zurechtfinden. Ein Glossar am Ende des Buchs (aus irgendwelchen Gründen nicht alphabetisch) und auch ein Neuling in der Magiergruppe, dem auch einiges erklärt werden muss, helfen dabei.
Die Magie ist so alt wie die Welt, daher gibt es einen Rat der Unsterblichen. Hier wählte der Autor bekannte historische Figuren wie Johanna von Orleans, Leonardo da Vinci oder Albert Einstein, vermutlich um den Charakteren gleich eine bestimmte Färbung und Geschichte zu geben. Als Gegenspieler dient der Graf von Saint Germain, um den sich zahlreiche Legenden ranken (u.a. auch in der Edelstein-Trilogie von Kerstin Gier verwendet), und eine mysteriöse Schattenfrau, deren Identität ungeklärt bleibt.
Insgesamt skizziert der erste Band die Charaktere nur in Ansätzen, es werden bestimmte Typen angelegt, die nun darauf warten, in den Folgebänden vertieft zu werden. Gleiches gilt für den Grundkonflikt zwischen Gut und Böse, zahlreiche Andeutungen werden gemacht, Geheimnisse aufgezeigt und Legenden und die Existenz eines Verräters erwähnt.
Betrachtet man Aurafeuer als Einzelband, so bleibt man über den Plot und den Spannungsbogen recht frustriert zurück. Kaum hat man sich in dieser Fantasy-Welt orientiert, endet der Band bereits mit zahlreichen aufgeworfenen Fragen und keinen Antworten. Das finde ich besonders für das Intro in eine umfangreiche Reihe problematisch. Meines Erachtens sollte ein Bogen gespannt, eine vollständige (Teil-) Geschichte erzählt werden. Statt dessen liegt mit Aurafeuer eine Art Einleitung zur Reihe vor, deren Charaktere mich nur halbwegs interessierten können. Besonders die Verwendung der historischen Figuren finde ich fragwürdig, da sie ins Geschehen hineingeworfen werden, kein Bezug zu ihrer Persönlichkeit oder ihrer geschichtlichen Bedeutung hergestellt wird und sie damit auf ihren Namen reduziert werden. Provokant gefragt: Konnte der Autor keine eigenen markanten Charaktere erdenken? Warum dieses Name-Dropping?  Die Gedankenwelt und Lebenswelt der übrigen Charaktere entspricht ihrem jugendlichen Alter (Freundschaft, Liebe, Sex, Discos, ---) und lässt etwas die Tiefe vermissen, zumal sie sich doch offensichtlich am Anfang einer dramatischen Veränderung oder Bedrohung in ihrer magischen Welt befinden...
Abgesehen von diesen Schwächen hinsichtlich der Charaktere und des Plots ist Suchaneks Schreibstil flüssig zu lesen, nicht komplex, aber klar, und die Ideen zu seiner magischen Welt sind interessant und haben Potential. Dennoch bin ich mir noch nicht sicher, ob ich den zweiten Band (obgleich ich ihn im Sammelband vorliegen habe) lesen werde. 
Das Buch selbst ist ein sehr schöner Hardcoverband und die Illustration der Feuer schaffenden Hand von Nicole Böhm ist ansprechend.

Andreas Suchanek, Das Erbe der Macht. Schattenchronik 1. Greenlight Press, Karlsruhe 2016.


Sunday, March 12, 2017

Ceramic art from South Africa

Innocence - ceramic by Richard Bollers
After these many years it is still surprising how a little postcard can make an impression on you. I don't know that much about South Africa. This card shows a ceramic work by an artist who lives and works there. Richard Bollers addresses "everyday issues affecting the urban poor" so a website of an art initiative tells us about him. There was an information text on the artist on the card too, it was good to get to know more.

The card was sent by Jaco and Johanet who told me a bit about their weekend and I liked that they enjoyed the same things on weekends as I do - although living more than 9000 km away.

Saturday, March 11, 2017

Beijing bicycle

bicycle in an alley in Beijing, China
postcrossing card sent by Vicky, China







There are nine million bicycles in Beijing
That's a fact
It's a thing we can't deny
Like the fact that I will love you till I die

We are twelve billion light years from the edge
That's a guess
No one can ever say it's true
But I know that I will always be with you

I'm warmed by the fire of your love everyday
So don't call me a liar
Just believe everything that I say

There are six billion people in the world
More or less
And it makes me feel quite small
But you're the one I love the most of all

We're high on the wire
With the world in our sight
And I'll never tire
Of the love that you give me every night

There are nine million bicycles in Beijing
That's a fact
It's a thing we can't deny
Like the fact that I will love you till I die

Nine million bicycles by Katie Melua, from the album Piece by Piece, 2005

Tuesday, March 07, 2017

Loch Ard Gorge

Loch Ard Gorge, Victoria, Australia
text on the card explains: "Located on the ragged coastline followed by the Great Ocean Road, Loch Ard Gorge is named for the iron clipper ship Loch Ard wrecked there in 1878 with the loss of all but two of those on board after a three-month voyage from Britain."
postcrossing card by Tanja, a German living in Australia

Monday, March 06, 2017

Colin Cotterill - Dr. Siri und die Geisterfrau


Dr. Siri wird älter und ist offiziell pensioniert, das Laos der 70er Jahre hat damit keinen Leichenbeschauer mehr. Doch dann wird in einem abseits gelegenen Dorf eine Frau ermordet - aber kurz nach ihrer Einäscherung taucht sie wieder auf und steht nun im Kontakt mit der Geisterwelt. Das will sich die Frau eines laotischen Generals zunutze machen, sie will herausfinden, wo sich die sterblichen Überreste ihres verschollenen Bruders befinden. Der General beordert kurzerhand Siri, der Exkursion in das Dorf den Mekong hinauf zu folgen. Mit dabei sind auch Siris Frau Daeng und sein Gehilfe Geung.
Gleichzeitig taucht daheim ein mysteriöser Franzose auf, der auf der Suche nach Daeng ist und absolut nichts Gutes im Schilder führt.
Parallel zu der eigentlichen Geschichte um die seltsame Geisterfrau und die Suche nach den Gebeinen erzählt Madame Daeng ihre Lebensgeschichte, aus der ersichtlich wird, warum der Franzose hinter ihr her ist. Gleichzeitig wird damit ein weiterer Teil der laotischen (Besatzungs-) Geschichte näher beleuchtet aus der Sicht einer Frau - eine durchaus ungewöhnliche Perspektive.
Für die zwei Perspektiven werden auch zwei Sprecher eingesetzt, Peter Weis und Traudel Sperber. Obwohl beide die Personen gut verkörpern, fehlte mir Jan-Josef Liefers, der die anderen Cotterill Krimis gelesen hat, doch.  
Einmal mehr gelingt es Cotterill, den sympathischen Siri in einen vielschichtigen und spannenden Fall zu verwickeln, trotz seiner mystischen Fähigkeit, Geister zu sehen, ermittelt er mit Verstand und viel Witz wie immer. Die Portion laotischer Geschichte macht diesen Band zu einer runden Sache.

Colin Cotterill, Dr. Siri und die Geisterfrau. Hörverlag 2016.

Learning songs

Learning a song in the Gorky Park, Moscow 1950s, Russia
- apparently a typical leisure activity at the time!
 postcrossing card by Lana from Russia