Tuesday, October 16, 2007

Andrea Maria Schenkel - Tannöd


"Tannöd" von Andrea Maria Schenkel gewann den deutschen Krimipreis 2007.
Die Geschichte beruht auf einer wahren Begebenheit, nämlich den ungelösten Mordfällen, die 1922 im oberbayrischen Hinterkaifeck begangen wurden.
Die sechs Bewohner eines abgelegenen Bauernhofes werden brutal mit einer Spitzhacke ermordet. In Schenkels Krimi gibt es keinen einzelnen Erzähler, sondern nur die interviewartig zusammengetragenen Eindrücke und Beobachtungen der Menschen rund um Tannöd, dem Bauernhof und Ort der schrecklichen Tat. Da gibt es die verschiedensten Stimmen, vom 8jährigen Kind, über Nachbarn, Krämerin bis hin zum Pfarrer des Ortes. Und eine dieser Stimmen ist die des Mörders.
Ungewöhnlich, gruselig, bedrückend, spannend.
Preis verdient, würde ich sagen.

Saturday, October 13, 2007

Die italienischen Schuhe

Wenn es einen schwedischen Schriftsteller gibt, den ganz Deutschland kennt, dann ist es wohl Henning Mankell. Seine Wallander-Romane haben sogar einen Weg in die Regale von echten Lesemuffeln gefunden. Das ist ja auch gut so. Irgendwann fand Mankell wohl nur, dass es sich ausgewallandert hatte, denn nach dem Wechsel zur Wallanderin (Tochter Linda ermittelte, siehe "Vor dem Frost") trat Ruhe ein in Ystad.
Dann kamen einige Afrika-Romane, in denen Mankell von seiner neuen Wahlheimat berichtet.
Mit "Die italienischen Schuhe" kehrt er wieder nach Schweden zurück und auch gleich noch in eine echte Sehnsuchtslandschaft, nämlich die der Schären.
Ein frühzeitig pensionierter Arzt sitzt allein auf so einer Schäre, bei ihm ein alter Hund, eine alte Katze und ein stetig wachsender Ameisenhaufen im Wohnzimmer. Es passiert nichts, er beobachtet Vögel, er füttert die Tiere, er springt jeden Tag in ein Eisloch, er ist genervt vom Postboten, der einzigen Person, die ihn in seiner Einsamkeit aufsucht, aufsuchen muss.
In sich eingeschlossen hat er mehr als eine Geschichte, die in seinem Leben unerledigt geblieben ist. Mit diesen wird er plötzlich konfrontiert, als die von ihm auf brutale Weise verlassen wordene Jugendgeliebte plötzlich auf dem Eis vor seiner Schäre steht und ein lang gegebenes Versprechen einfordert.
Was noch geschieht und wie dazu nun der Titel des Buches passt, mag jeder selbst entdecken.
Es ist eine leise Geschichte, eine Geschichte über Rückblicke auf das eigene Leben und letztlich die Erkenntnis, dass Leben trotz aller Fehler der Vergangenheit im Jetzt geschieht.
Ein wunderschönes Buch.


Henning Mankell: Die italienischen Schuhe. Zsolnay, Wien 2007.
mankell.de
wallander-web.de
Mankell bei wikipedia.de

Friday, October 12, 2007

Illuminated


Warum reist ein amerikanischer Jude in die Ukraine?
Wo liegt Trachimbrod?
Wer ist Brod?
Wer nennt seinen Hund Sammy Davis Jr. Jr.?
Wer ist Jonathan Safran Foer?

Ganz einfach ist es nicht, den Inhalt von Foers Bestseller-Roman "Alles ist erleuchtet" wiederzugeben. Vielleicht auch unmöglich. Vielleicht auch nicht nötig.
Ich stimme Hubert Winkels, Autor einer umfassenden Rezension des Buches ("Zauber und Zinnober", erschienen in DIE ZEIT 12/2003) zu: Wird um ein Buch viel Aufhebens gemacht, wird es über den grünen Klee gelobt, dann will man häufig zwei oder drei Schritte zurückweichen und das Ding in der Ecke liegen lassen. Kurz: Skepsis, ob es hält, was die Bestsellerlisten und Buch(an)preiser so versprechen. So erschien das amerikanische Original bereits 2002, die deutsche Ausgabe schon 2003 (nur eine von 20 Übersetzungen! Puh!) ... und ich, ich Banause lese es erst jetzt! Obwohl es schon länger in dem Stapel von Ungelesenem verweilte.
Aber Überraschung: Es ist wirklich ein außergewöhnliches Buch. Außergewöhnlich erzählt, fantasievoll-verrückt, skurrile Figuren, voller ungewöhnlicher Ideen und Bilder, sprachlich ebenso außergewöhnlich (Hut ab vor dem Übersetzer!), tragisch, bedrückend, aber auch immer wieder erheiternd.
Um noch einmal auf Herrn Winkels zurückzukommen: "Zuletzt ist aus einem humoristischen Roman ein erhabener geworden. Und doch: Der Zauber des Geniestreichs erreicht auch den solcherart Skeptischen."

PS.: Ich war derart spät dran, dass auch der Film (2005) schon längst wieder Schnee von gestern ist, aber den habe ich nachgeschoben. Danach glaubt der Kinobesucher eventuell, eine skurrile Story (so denn mit interessanter, guter Besetzung gesehen zu haben, Elijah Wood in der Hauptrolle) - vielleicht - aber die Vielschichtigkeit des Buches kann der Film nicht leisten -
also: LESEN!



Jonathan Safran Foer: Alles ist erleuchtet. Fischer , Frankfurt am Main, 2005.

Saturday, October 06, 2007

Monday, October 01, 2007

Hummingen 2007








Aufgenommen in Hummingen, Insel Lolland, Dänemark, September 2007.