Friday, December 31, 2010

Orange Clouds



Years go by
Will I still be waiting
For somebody else to understand
Years go by
If I'm stripped of my beauty
And the orange clouds
Raining in my head
Years go by
Will I choke on my tears
Till finally there is nothing left

words: from "Silent all these years", on Little Earthquakes by Tori Amos (1992)
photo: May 2010

Wednesday, December 29, 2010

Jussi Adler Olsen: Schändung


Nach Erbarmen ist Schändung der zweite Fall für Adler Olsens Kommissar Carl Mørck. Letzterer ist in seinem Job angekommen und bekommt mit Sekretärin Rose eine weitere Mitarbeiterin hinzu. Auch sie ist jemand, die sich anderswo nicht so richtig einfügen will - und passt damit ausgezeichnet zu Carl und Assad, auch wenn Carl das natürlich zunächst nicht zugeben kann.

Der Fall ist brutaler gelagert als der erste: Eine Gruppe von dänischen High Society Unternehmern ist seit ihrer Jugend im Internatsmilieu gewalttätig, prügelt, quält und tötet. Und kommt weitgehend ungestraft damit durch. Zentrale Figur ist Kimmie, die einzige Frau der Gruppe, die zugleich das schwächste und das brutalste Element ist. Kimmie ist der Gruppe vor einiger Zeit entflohen und führt ein Schattendasein am Rande der Gesellschaft, sie versteckt sich als Obdachlose in Kopenhagen. Mit ihrem Wissen ist sie für die Gruppe gefährlich, gleichzeitig ist sie selbst in Gefahr, denn die übrigen wollen sie endlich ausgeschaltet sehen.
Die Recherchen Carl Mørcks verlaufen eher träge, zwar findet er einige der Opfer, aber dass er schließlich das Ausmaß des Falles begreift, ist nicht sein eigener Verdienst.
Vielmehr ist Kimmie die Protagonistin und Erzählerin des Falles, denn aus ihrer Sicht wird das Geschehen schließlich aufgerollt und zum Ende gebracht, während Assad und Carl im Grunde angesichts der extremen Gewaltbereitschaft der Täter versagen.
Genau dies ist auch mein Kritikpunkt an dem sonst spannenden Roman: Zunächst erblicken wir Kimmie als mysteriöses Wesen, dessen Verhaltensweisen und Beweggründe unklar sind - im letzten Drittel erfahren wir plötzlich alles offen und konkret aus ihrer Sicht und die Ermittler werden im Grunde überflüssig, denn wir wissen schon, was Sache ist. Es folgt noch die Verkehrung des Racheengels in die Person, die unsere Ermittler vor dem sicheren Tod rettet und an sich selbst Gerechtigkeit übt.
Unklar bin ich mir auch noch darüber, ob es glaubhaft ist, dass diese Gewalterfahrung und seine Angst, erneut einen Partner zu verlieren, bei Carl Mørck eine Veränderung seines Verhaltens bewirkt: Er entschließt sich nun doch, seine Probleme offen der Psychologin zu schildern, sich helfen zu lassen und sich gleichzeitig zum Gutmensch zu wandeln. Etwas viel auf einmal, wie ich finde.
Der nächste Band wird zeigen, ob das aufgehen kann.

Jussi Adler Olsen, Schändung. dtv, München 2010.

Tuesday, December 28, 2010

Mo Hayder: Ritualmord


Mo Hayder ist eine britische Krimiautorin mit interessantem Lebenslauf (nachzulesen hier bei krimi-couch.de), die nach einer längeren Pause mit Ritualmord ihre Serie um den Ermittler Jack Caffery fortsetzt. Die ersten beiden Bände, Der Vogelmann (1999) und Die Behandlung (2000), waren beide recht erfolgreich und erhielten gute Kritiken. Zu dem Hörbuch brachte mich mein Lieblingsvorleser Dietmar Bär. So richtig warm geworden bin ich mit den Protagonisten Jack Caffery und der Polizeitaucherin Flea Marley nicht. Auch die Story, afrikanischer Aberglauben/rituelle Opfer, hat mich nicht besonders überzeugt - womit ich scheinbar nicht allein dastehe, denn die Kritiken sind nicht euphorisch, zumindest nicht im Vergleich zu den beiden Vorgängern. Vielleicht höre/lese ich die dann bei Gelegenheit und bilde mir dann ein Urteil über Mo Hayder.
Rezension bei krimi-couch.de

Monday, December 20, 2010

Volker Pispers: Lehrer

Zwar schon etwas älter, dennoch wunderbare und (erschreckend) treffende Zusammenfassung des Status Quo.
Ein Drittel Vollidioten ist eine günstige Schätzung... :)
Dreimal soviel Lehrer, vernünftig ausgebildet mit vernünftigen Arbeitsbedingungen...

Doch wo? Doch wann? Doch wovon?

Volker Pispers, Bis neulich.... Live in Berlin 2004.

Sunday, December 19, 2010

Carol

Only five days until Christmas... Joy shall be yours that day!



Villagers all, this frosty tide,
Let your doors swing open wide,
Though wind may follow, and snow beside,
Yet draw us in by your fire to bide;
Joy shall be yours in the morning!

Here we stand in the cold and the sleet,
Blowing fingers and stamping feet,
Come from far away you to greet—
You by the fire and we in the street—
Bidding you joy in the morning!

For ere one half of the night was gone,
Sudden a star has led us on,
Bliss to-morrow and more anon,
Joy for every morning!

Goodman Joseph toiled through the snow—
Saw the star o'er a stable low;
Mary she might not further go—
Welcome thatch, and litter below!
Joy was hers in the morning!

And then they heard the angels tell'
Who were the first to cry NOWELL?
Animals all, as it befell,
In the stable where they did dwell!
Joy shall be theirs in the morning!'
Carol from the fifth chapter "Dulce Domum" from Kenneth Grahame, The Wind in The Willows (1908)
postcrossing card by Anniina from Finland, arrived on 18th December, 2010

Jussi Adler Olsen: Erbarmen


Während sich Stieg Larsson noch mit allen drei Bänden auf den Bestseller-Listen tummelt, taucht da bereits der nächste nordische Stern am Krimihimmel auf: Jussi Adler Olsen ("Danmarks krimikonge"). In Dänemark erschien der erste Band bereits 2007, in Deutschland erst 2009.
Kommissar Carl Mørck hat gerade traumatische Erlebnisse bei einem Mordfall hinter sich: Einer seiner Kollegen starb und ein anderer liegt seitdem gelähmt in der Klinik und will eigentlich sterben. Als Querdenker war Mørck schon vorher nicht beliebt, er ist nun noch schwieriger und wird daher nun als Leiter des Sonderdezernats Q eingesetzt, um den anderen aus dem Weg zu sein. Er bekommt ein Büro im Keller, einen Assistenten namens Assad an die Seite und stapelweise ungelöste Fälle auf den Tisch. Der Zufall wählt den Fall Merete Lynggaard aus, einer Politikerin, die fünf Jahre zuvor verschwand. Sie wurde aber nicht umgebracht, sondern wird auf dramatische Weise gefangen gehalten, was Mørck natürlich nicht wissen kann.
Parallel werden Mørcks und Assads Ermittlungen und im Zeitraffer die Erlebnisse und Leiden Meretes erzählt.
Mørck ist ein typischer skandinavischer Kommissar: Sein Name bedeutet auf deutsch "dunkel" und mit seinem Trauma und dem verkorksten Privatleben ist er keine positive Figur. Er hält sich nicht gern an Regeln, ist aber den anderen Ermittlern im Denken überlegen und gibt neben der Recherche an Meretes Fall auch gleichzeitig noch die elementaren Tipps für die Lösung eines anderen Fall - so nebenbei. Er zeigt aber Menschlichkeit, zum Beispiel im Umgang mit seinem verzweifelten, gelähmten Kollegen oder mit dem etwas rätselhaften Assad, der eigentlich gar kein Ermittler ist, aber dennoch zu Mørcks Partner wird.
Erbarmen ist durch die zwei Erzählperspektiven spannend, hat interessante Protagonisten und ist im Plot ein echter Psychothriller. Ich bin gespannt auf die folgenden Bände: Schändung liegt schon bereit und der dritte soll Erlösung heißen, ein Erscheinungsdatum ist aber noch nicht bekannt.

Jussi Adler Olsen, Erbarmen. dtv, München 2009.
Interview mit Jussi Adler Olsen bei krimi.couch.de

Saturday, December 18, 2010

Kenneth Grahame: Der Wind in den Weiden

1973 übersetzte Harry Rowohlt mit Der Wind in der Weiden (1908) von Kenneth Grahame eines der populärsten und bekanntesten englischsprachigen Kinderbücher. Die Abenteuer von Maulwurf, der Wasserratte, dem Dachs und der Kröte hat er zudem auch noch selbst vorgelesen. Einige kleine, aber feine Soundeffekte runden die Lesung ab und machen die sechs CDs zu einem echten Hörvergnügen von Anfang bis Ende.
Kenneth Grahame, Der Wind in den Weiden. Kein und Aber, Zürich 2002.
Link zu Werken von Kenneth Grahame beim Projekt Gutenberg
Link zu einem Interview mit Harry Rowohlt, Deutschlandradio 2006

Saturday, December 11, 2010

Kathy Reichs: Virals


Kathy Reichs started a new book series for young adult readers, the first book is called Virals.
Tory Brennan is the niece of well-known character Tempe Brennan but they don't know each other that well, although they are very alike.
Tory just lost her mum in an accident and has to live with her marine biologist father on a small island at the coast of Charleston, South Carolina. All adults living on that island work on yet another smaller island which is a research facility where monkeys and a small pack of wolfdogs run wild. Science-loving, intelligent Tory and her three friends, all boys, visit that island to watch the animals and detect a dogtag that sets them on a search for a murder vicitm. They also detect an unauthorized experiment on one of the wolfdogs which they take with them. And here the stories adds some mystery or science fiction to the crime novel - the kids all get infected with a designer virus that on the long run gives them wolf-like abilities (super strength and super senses). Add some teenage drama to that and you have a good idea of what Virals is like.
One could argue it's far-fetched but it's quite entertaining and a page turner. Well-written in Kathy Reichs style with a lot of teen language added I quite liked it and will possibly read the followers - the next one is already scheduled for next summer.

Kathy Reichs, Virals. Penguin, New York 2010.

Graffiti


Graffiti on a wall in Kaunas, Lithuania
postcrossing card by
Vika, received on 11th December, 2o10

Wednesday, December 08, 2010

Selig live



Ringlokschuppen Bielefeld. Selig tritt auf und gibt alles.
Gut gelaunt schäkert Jan Plewka von Anfang an mit dem Publikum, unterhält sich, erzählt, kommt sogar von der Bühne herunter ins Publikum. Überhaupt scheint Selig viel am Kontakt mit den Fans zu liegen, die Lichtshow verblüfft mit häufigen Spots in die Menge, man hat den Eindruck, Selig will das Publikum genauso sehr sehen wie das Publikum Selig!
Neben den Songs vom neuen Album Von Ewigkeit zu Ewigkeit spielen sie auch eine Auswahl vom Vorgängeralbum Und Endlich Unendlich und der Klassiker von damals. Am Ende der zweiten Zugaben haben sie zwei Stunden gespielt und enden mit "Ohne Dich", ich schließe mich an:

Herz vergeben, Herz verschenkt!

Saturday, December 04, 2010

C.R.Zafon: Der Schatten des Windes


Zafóns Der Schatten des Windes besetzte Monate lang viele Bestsellerlisten und lag stapelweise in den Buchhandlungen aus. Nun fand ich es in einer Hörspielbearbeitung, die zwei CDs umfasst. Nach Das Spiel des Engels war mir der Erzählstil des Autors bekannt und auch der Ort der Handlung und einige Charaktere finden sich wieder. Im Mittelpunkt der Erählung stehen wieder Bücher und der Friedhof der vergessenen Bücher, allerdings geht es nicht ganz so mystisch zu wie in Das Spiel des Engels.
Ich bin mir nicht sicher, ob es an der Verkürzung des Romans zum Hörspiel lag, aber es fiel mir schwer der Handlung im Detail zu folgen, manchmal war ich unsicher über Namen und Personen, konnte nicht alles zuordnen. Die Idee ist sicherlich faszinierend, die Charaktere interessant. Dennoch erstaunt es mich ein wenig, dass mich das Hörspiel nicht mehr fesselt, dass mich der Autor nicht mehr fesselt, denn das Thema Bücher ist sicher meins.
Vielleicht ist es Zafón aber nicht.

Carlos Ruiz Zafón, Der Schatten des Windes. Hörverlag/WDR 2009.

Friday, December 03, 2010

Erich Fried: Wintergarten



Wintergarten
Deinen Briefumschlag
mit den zwei gelben und roten Marken
habe ich eingepflanzt
in den Blumentopf

Ich will ihn
täglich begießen
dann wachsen mir
deine Briefe

Schöne
und traurige Briefe
und Briefe
die nach dir riechen

Ich hätte das
früher tun sollen
nicht erst
so spät im Jahr

aus: Erich Fried, Liebesgedichte. Wagenbach, Berlin 1979.
postcard by Mari from Estonia

Wednesday, December 01, 2010

Simple things


here are the
simple things
beautiful
calmness of the water

postcard by Finnish postcrosser Leila, received on 1st December, 2010

Saturday, November 27, 2010

Erich Fried: 28 Fragen



Achtundzwanzig Fragen
(ein verspätetes Geburtstagsgedicht)

Ich habe sieben Fragen:
Wie kannst du glücklich werden?
Ich habe sechs Fragen zu fragen:
Wie wird es den Menschen gehen?
Ich habe fünf Fragen
(eine für jeden Finger):
Wie kann ich die Zeit ertragen
bis wir uns wiedersehen?

Ich habe vier Fragen
(für dich) nach vierblättrigem Klee
Ich habe drei Fragen
(die alten) für dich nach deinen drei Wünschen
Ich habe zwei Fragen:
was ich dir sein und nicht sein darf?
Ich habe eine Frage:
Wie ich dich glücklich seh?

Aus: Erich Fried, Liebesgedichte. Verlag Klaus Wagenbach, Berlin 1979.

Sunday, November 21, 2010

Dark Potter



It is dark and scary. They run for life, they suffer from the sheer impossibility of their task. They'll come through.
Daniel, Emma and Rupert are all grown up and they act their parts brilliantly.
Even though it's strange to devide the last book into two parts it wouldn't have worked in any other way. There's simply too much to tell.
So hats off to some well-written funny dialogues (had to giggle and laugh out loud several times, especially Ron was extremely funny), good special effects (wow, these flying scenes!) and all the emotions I ran through.
I loved every minute of The Deathly Hallows Part 1.

Pardon the spoiler: The seven Potters! :)

Saturday, November 20, 2010

Erich Fried im Gespräch



Per Mail flatterte mir da der Hinweis auf eine Wiederholung einer Sendung des ORF Radios (Ö1) vom 18. November 1993 in den E-Mail-Postkasten. [Dank an Michael Palfinger aus Wien!]

Erich Fried hat sich 1986 mit dem Literaturwissenschaftler Thomas Rothschild im Stuttgarter Schlossgartencafé unterhalten. Er hatte bereits seine Krebsdiagnose und starb zwei Jahre später. Weil das Gespräch ursprünglich nicht als Radiosendung geplant war, sondern lediglich als eine Materialsammlung für eine geplante Publikation Rothschilds dienen sollte, hört man im Hintergrund Cafégeräusche und die Fragen waren nicht vorbereitet.
Rothschild und Fried kannten sich schon länger, das Gespräch ist eher entspannt und Fried beantwortet die Fragen sehr offen. Gleichzeitig gehen die beiden sowohl literarisch und literaturkritisch als auch politisch-ideologisch sehr in die Tiefe.
Mich begeistert einmal mehr Frieds Geradlinigkeit, Toleranz und Überzeugungskraft, vor allem aber die Authentizität. Ich bedaure sehr, ihn niemals getroffen zu haben, bin aber froh, ihm wenigstens in Form eines weiteren Tondokuments begegnen zu können.
Der Beitrag dauert eine knappe Stunde und kann beim ORF zur Zeit noch als Stream kostenlos abgerufen werden, vermutlich aber nur eine kurze Zeit lang.

Tove Jansson: Sturm im Mumintal


Farlig Midsommar ist der finnische Originaltitel dieses im Jahre 1954 erschienenen Muminromans von Tove Jansson.

Der dem Mumintal nahegelegene Vulkan bricht aus und es entsteht ein Unwetter, das das Tal unter Wasser setzt. Mit der typischen Mumingelassenheit evakuiert die Familie und landet als Notunterkunft in einem schwimmenden Theater. Nur dass die Mumins natürlich nicht wissen, was ein Theater eigentlich ist. Mumin und das Snorkfräulein erleben noch ganz andere Abenteuer, als sie auf einem Baum stranden und ihren Weg zurück zu den anderen finden müssen. Und auch beim Schnupferich läuft nicht alles nach Plan, er muss sich plötzlich um 24 kleine Kinder kümmern, zum Glück hat er die Kleine Mü auch dabei, die von ihrer Schwester weiß, wie das mit der Erziehung funktioniert.
"Sie finden dich nicht lustig", erklärte die Kleine Mü. "Du musst es so machen wie meine Schwester und sagen, wenn sie nicht still sind, schlägst du sie tot. Hinterher bittest du sie dann um Verzeihung und gibst ihnen Bonbons."
"Und hilft das?"
"Nö", sagte die Kleine Mü.
Der Schnupferich hob die Reisighütte hoch und warf sie in einen Wacholderbusch.
"Das macht man immer mit einem Haus, in dem man mal gewohnt hat", erklärte er.
Die Waldkinder verstummten sofort, rümpften die Näschen und schnupperten in den Nieselregen.
"Es regnet", sagte ein kleines Kind.
"Ich habe Hunger", sagte ein anderes.
Der Schnupferich sah die Kleine Mü hilflos an.
"Mach ihnen Angst mit der Morra!", schlug sie vor. "Das hat meine Schwester immer getan."
"Hat es bei dir geholfen?"
"Natürlich nicht!" Die Kleine Mü musste so sehr lachen, dass sie umfiel.
(Seite 122)
Natürlich findet sich für alle Irrwege und Probleme am Ende die perfekte Lösung.
Trotz der skurrilen Gestalten ist es doch deutlich zu sehen, wie menschlich die Probleme der Mumins und ihrer Freunde sind. Dadurch erhalten die Geschichten Gültigkeit und Wahrhaftigkeit.

Tove Jansson, Sturm im Mumintal. Arena, Würzburg 2006.

Wednesday, November 17, 2010

More Moomins


Another Moomin card arrived today from Juho, Finland.
It shows Moomintroll and Mymble. It even had a Moomin stamp, how cute is that!

Sunday, November 14, 2010

Andreas Steinhöfel: Rico, Oskar und die Tieferschatten

Ein weiteres wunderschönes Buch von Andreas Steinhöfel [Link führt zum großartigen Blog des Autors].
Es spielt in Berlin (seit längerem schon Wohnort des Autors) und der Ich-Erzähler ist tiefbegabt. Das ist logischerweise das Gegenteil von hochbegabt, das bedeutet, dass Rico, so heißt unser Erzähler, Probleme hat mit dem Denken. Das dauert manchmal länger als bei anderen und wenn man ihn zu sehr bedrängt, geraten in seinem Kopf die Gedanken nur umso schneller und heftiger durcheinander, was er passenderweise mit umherwirbelnden Bingokugeln vergleicht.
Er wohnt mit seiner Mutter in der "Dieffe", also in der Dieffenbachstraße in Kreuzberg, und geht statt zur Schule in ein Förderzentrum. Per Zufall lernt er auf eben dieser Straße Oskar kennen, der ist sieben und hochbegabt, weiß alles, hat aber auch vor allem Angst, weswegen er die ganze Zeit einen Helm trägt. Als Oskar von dem in Berlin umgehenden Kindesentführer Mister 2000 entführt wird, setzt Rico alles daran, dem neugewonnenen Freund zu helfen. Und das ist nicht so leicht, wenn man tiefbegabt ist.
Steinhöfel gelingt es, dass sich der Leser auf die Sichtweise des in seinem Denken so anderen Kindes einlassen kann. Aus Ricos Sicht sieht die Welt eben anders aus. Manches durchschaut er nicht, was der Leser auch erahnen kann und muss, anderes kann eben nur Rico sehen. Und mit seinem Blick durchschaut er so manches Mal die mühsam aufgebauten Fassaden und Masken der Erwachsenen und versteht die Kinder, die in der Welt dieser Erwachsenen leben müssen, sichtlich besser als manch normal begabter. Rico ist unschlagbar ehrlich und man kann etwas von ihm lernen, egal ob man selbst tief-, hochbegabt oder langweilig normal ist.
Andreas Steinhöfel, Rico, Oscar und die Tieferschatten. Carlsen, Hamburg 2008.

Saturday, November 13, 2010

Das Ökosystem und die Ameise

Ameisen: Kleine Lebewesen, welche das Ökosystem der Erde zusammenhalten. Nähme man sie aus der Welt, wäre dies das Ende der Erde in dieser Form.
Im Gegensatz dazu: der Mensch. Größeres Lebewesen, welches das Ökosystem der Erde zerstört. Nähme man ihn aus der Welt, wäre dies die letzte und einzige Möglichkeit, die Erde in dieser Form noch zu erhalten.
Janosch, Wörterbuch der Lebenskunst-Griffe, Goldmann, München 2000, S. 12.

Kathy Reichs: Spider Bones


Spider Bones ist der 13. Roman von Kathy Reichs mit Temperance Brennan und Andrew Ryan. Obwohl ich auch die Fernsehserie Bones sehr mag, sind mir die Originalcharaktere der Bücher doch deutlich lieber.
Der Plot von Spider Bones: Aus einem See in Quebec wird ein Toter gefischt, der sich offensichtlich beim Ausleben autoerotischer Praktiken selbst getötet hat. Über die Fingerabdrücke ergibt sich schnell eine Identizierung, der Tote ist John Lowery, auch Spider genannt (siehe Titel). Problem: John Lowery ist seit 1968 tot, er starb in Vietnam. Es folgt die Suche nach den Hintergründen. Wie kann der Tote Spider sein? Und wenn er es ist, wer liegt dann in seinem Grab in North Carolina?
Der Leser wird nun mit den amerikanischen Institutionen vertraut gemacht (hauptsächlich JPAC, wohin auch die Autorin persönliche Beziehungen hat), die für die Identifizierung von Personen zuständig sind, die nicht aus den diversen Kriegen der USA zurückgekehrt sind, d.h. die Zuordnung der namenlosen Toten, situiert auf Hawaii. Dorthin fliegt Tempe zusammen mit den exhumierten Überresten der als Spider beerdigten Person. Weitere Ungereimtheiten und falsch identifizierte Tote tauchen auf. Auch eine Verbindung zu Gangs und der Drogenmafia entsteht.
Parallel dazu trauert Tempes Tochter Katy um einen toten Freund und Ryan taucht mit seiner Tochter Lily (gerade clean nach dem Drogenentzug) ebenfalls auf Hawaii auf, was einige Turbulenzen im Nebenplot verursacht.
Ob Spider Bones ein guter Krimi ist, weiß ich nicht genau.
Mich hat er schon in seinen Bann gezogen, aber ich bin nicht objektiv, da mir die Charaktere sehr ans Herz gewachsen sind. Spannend ist sicherlich das Verwirrspiel um die nicht-identifizierten Toten, man rätselt mit, wer denn nun wer sein kann, man bekommt Hinweise und falsche Fährten gestreut. Die Auflösung am Ende ist aber leider fast ein deus ex machina, das Auftauchen der Schlüsselfigur klärt alle Zusammenhänge und die Verwirrungen auf, ein Hinweis eines Informanten leitet den Showdown der letzten Seiten ein. Das hat Kathy Reichs eigentlich sonst nicht nötig und es hätte eventuell auch eleganter gelöst werden können. So enttäuscht das Ende ein wenig.
Sprachlich war es dennoch einmal mehr Freude, Reichs im Original zu lesen, die Dialoge und die stets mitklingende (Selbst-) Ironie der Ich-Erzählerin machen einfach Spaß.
Ansonsten wünscht man sich nur, Tempe und Ryan würden endlich mit den Albernheiten aufhören und wieder zusammen kommen. Aber das ist wohl ein sehr unsachlicher Schlusskommentar... - egal.

Friday, November 12, 2010

Pretty



It's just stunning. The poet is Katie Makkai and she does poetry slams, not much more can be found on the web. Complete text can be read here. I will probably never hear the word "pretty" again and not think of this. Simply amazing. Mothers, show your daughters! Daughters, show your mothers!

Durbridge revisited


Dies ist Francis Henry Durbridge. Er war Brite und wurde am 25. November 1912 in Hull geboren und starb am 11. April 1998. Er ist Autor zahlreicher Theaterstücke und vor allem der Erschaffer von Paul Temple, einem fiktiven Autoren und Detektiv, der in London lebt und Scotland Yard hilfreich zur Seite steht und mit seiner Frau Steve zahlreiche spannende Fälle löst.
Durbridge war mit den Hörspielen und Verfilmungen nicht nur in Großbritannien erfolgreich, sondern vor allem auch in Deutschland, wo die Hörspiele in 60er Jahren zu den sogenannten "Straßenfegern" wurden - das heißt, die Hörspiele waren so beliebt, dass die Straßen zu den Sendezeiten leer waren.
So kannte damals jeder René Deltgen, der Paul Temple seine Stimme verlieh:
In späteren Jahren wurden die Hörspielen vielfach erneut ausgestrahlt und so saß auch ich als Kind um elf Uhr vormittags am Radio, um ja nicht den "Krimi am Samstag" zu verpassen.
Seit einigen Jahren sind die Hörspiele nun auch auf CD erhältlich und man kann sich jederzeit an ihnen freuen.
The Paul Temple File - umfassende Informationssammlung

Tuesday, November 09, 2010

Enjoy!

Another beautiful Moomin card!


In the world
there is nothing nicer
than enjoying
and nothing is more easy

The latest postcrossing card, sent by Julia from Finland, arrived on 8th November, 2010, the quote is from "Moominvalley in November" (or "Sent i november") by Tove Jansson (1970).

Saturday, November 06, 2010

Selig: Von Ewigkeit zu Ewigkeit


Neues Album. Selig. Schön.  

[...] Gäb es mehr als dieses Leben, ich würde ewig mit dir gehen,
jeden Tag mir dir verwegen jeden Augenblick zu sehen 
Gäb es mehr als dieses Leben, ich wär zutiefst dazu bereit
dich bis zum Ende mitzunehmen von Ewigkeit zu Ewigkeit

Glaubst du an Morgen und die losgelassene Zeit
an die Farbe der Fügung und das was uns bleibt
an das Land in deinen Augen und das Meer in deiner Gesten
für ein Leben in Frieden diesen Weg zu gehen
Dies würd ich dir gern sagen, doch ich weiß nicht, ob ich’s kann 
mein Herz ist schwer seit Tagen und es fühlt sich komisch an

Video: Von Ewigkeit zu Ewigkeit
...und am 8. Dezember live in Bielefeld! :)


Friday, November 05, 2010

Wo bist du?

Singen kann er auch noch...!

Die Nacht hat den Tag langsam umgebracht
und alle Katzen grau gemacht
ich kühle am Fenster mein Gesicht
Wo bist du? Warum kommst du nicht?

Eine Fliege ertrinkt in meinem Wein
es ist totenstill, ich hör sie Hilfe schrein
ich seh ihr zu und ich sehe mich
Wo bist du, warum kommst du nicht?

Babe, Babe, wenn du kommst brennt in der Minibar noch Licht
da steht ein Bittermandel-Shake
den überlebst du nicht, den überlebst du nicht

Die Nacht hat den Tag langsam umgebracht
alle Kater so heiß gemacht
ich heule, ich heule und hasse dich
Wo bist du? Warum kommst du nicht?

Jan Josef Liefers (und Ina Müller) frei nach einem Song der DDR-Band Silly

Fried-liche Mauer


Status Quo
zur Zeit der Wettrüstens

Wer will
daß die Welt
so bleibt
wie sie ist
der will nicht
daß sie bleibt

aus: Erich Fried, Lebensschatten. Verlag Klaus Wagenbach, Berlin 1981.
Foto: I. Janzen, Berlin EastSideGallery, September 2010

In the arms of the angel



In the arms of the Angel
Far away from here
From this dark, cold hotel room,
And the endlessness that you fear
You are pulled from the wreckage of your silent revelrie
You're in the arms of the Angel;
may you find some comfort here.

Sarah McLachlan, "Angel" from Surfacing (1997), song also used in the film City of Angels (1998)
picture by Renate Otto, Engel - on a postcrossing card by Esther, arrived on 5th November, 2010

Monday, November 01, 2010

Carsten Jensen: Wir Ertrunkenen


Seeleute und Schriftsteller haben etwas gemeinsam:
Sie träumen davon überall hin zu reisen,
der Seemann mit seinem Schiff,
der Autor mit seinen Worten.
So der dänische Autor Carsten Jensen im Nachwort zu seinem 800 Seiten starken Roman Wir Ertrunkenen. Ich würde nun auch den Leser mit ins Boot nehmen und sagen, auch dieser träumt und reist mit den Worten des Schriftstellers durch die Welt.
Die Zeit schrieb von einem "gewaltigen Buch" und laut Klappentext ist auch Hakan Nesser ganz begeistert. All diese Superlative haben schon ihre Berechtigung, das Buch ist wirklich außergewöhnlich. 800 Seiten sind schon lang, aber es wird nie langweilig.
Basierend auf der Geschichte seines Geburtsortes Marstal (gelegen auf der winzigen dänischen Insel Ærø, südlich von Fünen) entwickelt Jensen ein Epos über die Seefahrtsgeschichte. Gebunden an die Perpektiven verschiedener Erzähler und Protagonisten umfasst die Erzählung den Zeitraum vom deutsch-dänischen Krieg im Jahr 1848 bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs. Wir reisen dabei nicht nur durch die dänischen Inselwelt oder die Ostsee, sondern bereisen alle Ozeane, wir segeln, wir steigen auf Dampfschiffe um und erleiden schließlich die schlimmsten und dunkelsten Seiten des Seekrieges. Dabei wechseln sich Unglaubliches und Realistisches ab, die Charaktere sind dadurch zugleich überzeugend und faszinierend. Die Mischung aus historischem Geschehen und Einzelschicksalen der Marstaler geht auf.
Auch sprachlich funktioniert das Buch, sieht man von der Notwendigkeit ab, sich mit dem vielen seemännischen Fachvokabular auseinanderzusetzen. Die Übersetzung von Ulrich Sonnenberg liest sich angenehm.
Ich kann sagen, ich habe einiges gelernt durch dieses Buch: In erster Linie natürlich über die Seefahrt - und aus dieser Perspektive heraus auch einiges Neues über die Geschichte, die dänische natürlich, aber auch die Weltgeschichte. Aber der Roman lässt auch darüber nachdenken, was einen Menschen zum Menschen macht, wie sehr er davon abhängt, in einer Gemeinschaft zu sein und wie prägend diese sein kann. Dies mag nicht unbedingt die Hauptintention des Autors gewesen sein, über die erfährt man mehr in seinem Nachwort (siehe Zitat oben) bzw. in einem Online-Interview.
Ich finde, es ist ein spannendes, vielschichtiges - ein gutes Buch mit einem sympathischen Autor.
Carsten Jensen, Wir Ertrunkenen. btb, München 2010.

Saturday, October 30, 2010

This moment...

"Well," said Pooh, "what I like best-" and then he had to stop and think.
Because although Eating Honey was a very good thing to do,
there was a moment just before you began to eat it
which was better than when you were,
but he didn't know what it was called.
A. A. Milne: The House at Pooh Corner, Chapter Ten. (1928)
postcrossing card by Elodie, France, 16th October

Jeden Tag



Mögen Wind und Meer dir Freiheit schenken,
dein Glück jeden Tag aufs Neue zu finden,
und mögest du dieses Glück
tief in deinem Herzen bewahren
für heute und für immer.

Irischer Segenswunsch
Foto: Picton Harbour, Queen Charlotte Sound, New Zealand,
postcrossing Karte von Raelyn, 4th October

Monday, October 25, 2010

Sails and minds

This card arrived on 24th October.
It's from Eret from Estonia. She translated the words for me:

Minds are like sails
which fulfill their function
only in the open.

Sunday, October 17, 2010

Indridason: Codex Regius

Arnaldur Indridason schreibt über Island und das nicht nur in Kriminalromanen (z.B. in Gletschergrab über Beziehungen zu den in Island stationierten Amerikanern).
Codex Regius spielt genau genommen kaum in Island, sondern in u.a. im Kopenhagen und Berlin der 50er Jahre. Der isländische Student Valdemar trifft in Kopenhagen auf seinen Professor für Nordistik. Der ist ganz schön heruntergekommen, säuft und scheint insgesamt verzweifelt, fasziniert Valdemar aber dennoch. Der Professor zieht Valdemar hinein in die Suche nach dem Codex Regius, wohinter sich nichts anderes verbirgt als die Pergament-Handschrift der Edda! Sie ist dem Professor während des zweiten Weltkrieges abhanden gekommen und er ist seitdem auf der Suche, um sie zurück zu bekommen, denn noch weiß niemand, dass sie verschwunden ist. Sein Gegenspieler ist ein Deutscher, der aufgrund der Wichtigkeit der Edda für den deutschen Sagenhintergrund (Nibelungen!) auch hinter der Handschrift her ist.
So entspinnt sich ein Wettlauf um die Nachforschungen nach dem Pergament, der sein Finale auf dem begrenzten Raum eines Passagierdampfers hat - genau an jenem Tag im Jahr 1955, an dem der isländische Autor Halldór Laxness den Literaturnobelpreis erhält. Eine literaturgeschichtlich schöne Schleife.
Der Roman selbst ist vielleicht nicht von besonderer literarischer Bedeutung, aber jemand mit ein wenig Interesse für Literaturgeschichte und für die Bedeutung von Geschriebenem für die Kultur eines Landes liest Indridasons Geschichte sicherlich gern.

Arnaldur Indridason: Codex Regius. Lübbe, Köln 2010.

Thursday, October 14, 2010

Pratchett: Unseen Academicals



Nach längerer Zeit mal wieder einen Pratchett-Roman gelesen- und nun stelle ich fest, dass ich über Terry Pratchett noch nie gebloggt habe - wie konnte das passieren?
Mit der Scheibenwelt, also Pratchetts literarischer Welt, verhält es sich so, dass man sie entweder liebt oder grundsätzlich nicht versteht, warum man so einen Blödsinn lesen soll. Ich gehöre zur ersten Kategorie: Hexen, Trolle, die Wache, die Magier,... - das alles ist großartig und fantastisch in jeder Hinsicht. Pratchett schafft eine Welt, in der alles möglich ist, die aber der unseren ähnlich genug ist, um sie ironisch zu kommentieren und den Finger genau auf unsere eigenen bizarren Wirklichkeiten zu legen.
In "Unseen Academicals" geraten die Magier von Ankh-Morpork in den Zwang, Fußball spielen zu müssen, was eigentlich ein Spiel des Volkes ist, das brutal und nahezu regellos auf den Straßen der Stadt gespielt wird. Nun braucht es ein neues (teilweise schwachsinnig anmutendes) Regelwerk (nette Episode zur Abseits-Regel!) und vor allem eine Mannschaft. Pratchett kontrastiert die Welt der kleinen Leute, die kochen, Fußball spielen und die Kerzen in der Unsichtbaren Universität austauschen, mit der Welt der Magier und Reichen.
Zunächst: Es war ein Pratchett und die Charaktere waren liebevoll entwickelt und sprachlich war es im Original ein Genuss.
Die Geschichte gefiel mir aufgrund der Fußballthematik nicht besonders, auch entwickelte sich die Handlung eher langsam, laut lachen konnte ich dennoch, etwa ab dem letzten Drittel, ab da wurde es auch spannender. Wenn man den amazon-Rezensionen Glauben schenken kann, muss die deutsche Übersetzung jedoch katastrophal ausgefallen sein. Wer kann, lese also im Original.
Terry Pratchett: Unseen Academicals. Random House, London 2009.

Saturday, September 25, 2010

The ocean is a forest



Today's postcrossing card features artist Kurt Halsey, the painting is called The ocean is a forest.
The card came from postcrosser tikilights (Andrea) and she wrote a quote by Mathias Malzieu from The Boy With The Cuckoo-Clock Heart which I liked, too:

You know, when I was in love, I was always inventing things.
A whole array of tricks, illusions and optical effects to amuse my lady friend.
I think she’d had enough of my inventions by the end… I wanted to create a voyage to the moon just for her, but what I should have given her was a real journey on earth.


This is another painting by Kurt Halsey I found, it's called To be kind to an animal.

13 words



I love Lemony Snicket's Series Of Unfortunate Events and I found this trailer about a children's book called 13 words. It's surreal and funny and interesting. The pictures by Maria Kalman are gorgeous.

"...all right, we're moving on..." :)

Sunday, September 19, 2010

Sushi 2010

Sushi 2010
Delicious salmon avocdo rolls and marinated tuna rolls with sliced ginger...

Friday, September 17, 2010

Flut des Lebens

Wir leben nur einen Bruchteil unseres Lebens.
Warum lassen wir die Flut nicht herein,
öffnen die Schleusen
und setzen all unsere Räder in Bewegung?

Thursday, September 16, 2010

Salzig



Das Meer ist salzig wie die Träne,
die Träne ist salzig wie das Meer.
Das Meer und die Träne sind durch die Einsamkeit verwandt.
Das Meer hat sie schon, die Träne sucht sie.

Karl Ferdinand Gutzkow (1811-1887)

Saturday, September 11, 2010

Andreas Steinhöfel: Die Mitte der Welt



Der 17-jährige Phil lebt mit seiner Mutter Glass und seiner Zwillingsschwester Dianne in einem verwunschenen alten Haus namens "Visible" und wäre allein dadurch schon anders genug, um sich von den anderen Menschen der Kleinstadt zu unterscheiden und mit Misstrauen betrachtet zu werden. Außerdem ist er noch schwul, das macht die Sache nicht einfacher.
Beeindruckend erzählt er von seinen Gedanken und Gefühlen und der Reise, die das Erwachsenwerden und die Entdeckung der Liebe in all ihren Formen nun einmal ist. Ein wunderschönes Jugendbuch, das Steinhöfel da mit Die Mitte der Welt geschrieben hat. Überhaupt beeindruckt mich der Autor mit jedem Buch, das ich von ihm lese, mehr. Bedauerlich, dass ich seine Lesung versäumt habe.

"Das habe ich gelernt: Liebe ist ein Wort, das du nur mit blutroter Tinte schreiben solltest. Liebe treibt dich dazu, die seltsamsten Dinge zu tun. Sie lässt dich regenbogenfarbene Bonbons verteilen, sie lässt dich in roten Schuhen durch die Straßen tanzen, und sie schreckt nicht davor zurück, dich nachts mit blutenden Händen Gräber in paradiesische Gärten hacken zu lassen. Liebe schlägt dir tiefe Wunden, aber auf eine ihr eigene Art heilt sie auch deine Narben, vorausgesetzt, du vertraust ihr und gibst ihr die Zeit dazu. Meine Narben werde ich nicht anrühren. Ich werde neue Wunden davontragen, noch ehe die alten verheilt sind, und ich werde anderen Menschen Wunden zufügen. Jeder von uns trägt ein Messer." (S.456f.)

Andreas Steinhöfel, Die Mitte der Welt. Carlsen, Hamburg 2004.

Ein Tropfen Wissen



Was wir wissen, ist ein Tropfen,
was wir nicht wissen, ein Ozean.

Sir Isaac Newton

Friday, September 10, 2010

Wind und Welle



Wind ist der Welle lieblicher Buhler;
Wind mischt vom Grund aus schäumende Wogen.
Seele des Menschen, wie gleichst du dem Wasser!
Schicksal des Menschen, wie gleichst du dem Wind!

Johann Wolfgang von Goethe

Wednesday, September 08, 2010

Autumn

There's no mistaking autumn's here - as today's postcrossing card shows. It's an oak in Quehanna Wild Area, Pennsylvania, USA.
Everyone must take time to sit and watch the leaves turn.
Elizabeth Lawrence

Saturday, September 04, 2010

Anthony McCarten: Superhero

Der neuseeländische Autor Anthony McCarten (*1961) hat ein Buch geschrieben über einen 14jährigen, an Krebs erkrankten Jungen. In kurzen Szenen (übertitelt wie bei einem Theaterstück oder einem Drehbuch) beschreibt McCarten, wie dieser Junge, Donald Delpe, das Beste aus dem bisschen Leben macht, das ihm noch zur Verfügung steht. Donald ist Comiczeichner und erschafft sich als Alter Ego einen unsterblichen Superhelden, der dennoch voller Zweifel steckt. Sowohl Donald als auch sein Held MiracleMan sind auf der Suche nach Liebe und finden diese am Ende aber nur über die Rückkehr zu sich selbst. Hilfe findet Donald nur bei dem Psychologen Adrian King, der aber durch Donald endlich selbst auch wieder zum Leben findet.
Superhero ist eine sensibel erzählte und anrührende Geschichte über das Leben, die Liebe und das Sterben, dabei aber nicht kitschig. Die Mischform aus Prosapassagen und Theaterelementen ist gewöhnungsbedürftig, aber dennoch flüssig zu lesen, der Erzählstil locker und gradlinig.
Ich mochte die Anlehnung an die Comicgeschichte nicht besonders gut leiden, der zweite Protagonist Adrian war mir unsympathisch - die Story ist dennoch anrührend.
Anthony McCarten, Superhero. Diogenes, Zürich 2007.

Wednesday, July 28, 2010

H.M. Enzensberger: Josefine und ich

"Huch - Literatur!" dachte ich, als ich den Namen des Autors, Hans Magnus Enzensberger, auf dem Cover erblickte. Ich bekam Josefine und ich vor einiger Zeit geschenkt. Es ist betont stilvoll in schwarzen Samt gebunden, das Titelblatt eingeprägt, ganz schick. Schade, dass mich immer das kalte Grauen überläuft, wenn ich Samt anfassen muss, das kann ich nicht haben. Diese Art von Flausch ist mir unangenehm, egal ob es sich um Bucheinbände oder die Blätter von Zimmerpflanzen handelt. Aber das nur am Rande.
Ich will nicht viel schreiben: Protagonist rettet alte Dame vor Handtaschendiebstahl und ist fortan immer dienstags bei ihr zum Tee und führt abwegige Diskurse über alles und die Welt.
Es ist ein dünnes Bändchen, einige Gedanken interessant, das meiste leider nicht.
Erschütternd war es, die Rezensionen zu dieser Erzählung zu lesen, die in den großen deutschen Tageszeitungen erschienen sind (zusammengefasst bei perlentaucher.de). Die hatten auch irgendwie ein Problem mit dem Samt (was mich ehrlich verblüfft hat) und waren inhaltlich nur mäßig beeindruckt, man könnte auch von Verriss sprechen. Nix Literatur?!

Hans Magnus Enzensberger, Josefine und ich. Eine Erzählung. Suhrkamp, Frankfurt a.M. 2006.

Tuesday, July 27, 2010

Camilla Läckberg: Die Eisprinzessin schläft


Die Eisprinzessin schläft ist der erste Krimi der Schwedin Camilla Läckberg um den Kriminalbeamten Patrik und die Autorin Erica. Das Setting ist die Geburtsstadt der Autorin, Fjällbacka, ein 1000 Seelen Dorf im Westen von Schweden nahe der norwegischen Grenze.
Erica schreibt Biografien und räumt gerade das Haus ihrer Eltern nach deren Unfalltod auf. Ihre ehemalige Kinderfreundin wird tot in ihrer Badewanne aufgefunden, es stellt sich aber heraus, dass sie ermordet wurde. Erica soll zunächst nur einen Nachruf verfassen, gerät aber dabei immer tiefer in die Geschichte hinein und trifft dabei auf Patrik, der als einziges Mitglied der Polizei tatsächlich ermittelt.
Camilla Läckbergs Roman liest sich flüssig, sie schildert die Figuren lebendig, unabhängig davon, ob es sich um die Reichen und Schönen oder die Armen und die Zerbrochenen handelt. Sie beleuchtet das Geschehen vielschichtig und man merkt, dass sie das Ambiente gut gewählt hat, das Dorf Fjällbacka wird dem Leser vertraut.
Einige Wendungen in der Geschichte (gefundene Dokumente, plötzliche Geistesblitze der Protagonisten) wirken konstruiert und nicht aus der Geschichte erwachsen, zumal sie dann auch noch erst nur angedeutet und dem Leser erst einige Seiten später erklärt werden ("Aha, Patrik hat etwas verstanden! - aber man darf noch nicht wissen was!"). Das ist manchmal mühsam bis nervig.
Die Liebesgeschichte wirkt etwas erzwungen, wird aber sicher in den folgenden Bänden symbiotischer werden. Insgesamt liegt der Fokus der Autorin wohl eher in der Entwicklung ihrer Personen, bei den Beziehungen der Personen untereinander und ihre Wechselwirkung mit der schwedischen "Dorfidylle", weniger in dem Erzeugen von gruseliger Spannung.
Alles in allem aber ein harmonischer, spannender Krimi, der angenehm unterhaltend ist. Gute Ferienlektüre, nicht nur für den Schwedenurlaub.
Camilla Läckberg, Die Eisprinzessin schläft. Aufbau, Berlin 2008.
Webseiten der Autorin - hier besonders interessant: ihre Tipps zum Schreiben eines Krimis!

Monday, July 26, 2010

C.R. Zafon: Das Spiel des Engels




Carlos Ruiz Zafón wurde 2001/2002 mit der Veröffentlichung seines Romans Der Schatten des Windes bekannt, der sich als Bestseller verkaufte und in viele Sprachen übersetzt wurde.
Der Folgeroman Das Spiel des Engels erschien 2008 und hat mit ersterem einige Schauplätze (Barcelona, der Friedhof der vergessenen Bücher) und auch einige Figuren gemein. Jedoch spielt er zahlreiche Jahre vor Der Schatten des Windes, man braucht aber keine inhaltlichen Kenntnisse um den Nachfolger zu verstehen.
Neun CDs umfasst die Hörbuchfassung mit Gerd Wameling, der ruhig und gelassen liest.
Die Story ist schnell zusammengefasst:
Der junge Autor David Martín geht einen (Teufels-) Pakt mit dem seltsamen Andreas Corelli ein, der ihm Heilung von seinem Hirntumor und viel Geld verspricht im Gegenzug für das Schreiben eines religiösen Buches. Eine große Rolle spielen Martíns Beziehungen zu seinen Mentoren und zwei sehr unterschiedliche Frauen. Deren Leben werden aber nach und nach zerstört, je weiter Martín sich mit den Hintergründen und Machenschaften von Corelli beschäftigt, bis ihm selbst am Ende nur die Flucht bleibt.
Zafón erzählt spannend und flüssig, gerade die Beschreibungen Barcelonas und des seltsamen Ortes, den er Friedhof der Bücher nennt, sind überzeugend und spannend. Die Geschichte selbst konnte mich nicht ganz fesseln, zu verworren bleibt am Ende Sinn und Auflösung des Ganzen. Zum Beispiel bleibt auch das so zentrale religiöse Pamphlet stets ein Rätsel, da der Leser nicht erfährt, was wirklich darin steht, oder welchen Zweck der Auftraggeber Corelli verfolgt. Auch der Erzählstrang der Liebesgeschichte fügt sich nicht schlüssig zusammen, die Frauen handeln zum Teil völlig unverständlich und bleiben ohne Tiefgang.
Mich hat Zafòn nicht völlig überzeugt, aber vielleicht gebe ich Der Schatten des Windes dennoch bei Gelegenheit eine Chance. Hier war ich froh, dass ich den Roman hören konnte, da ich vermute, dass ich beim einfachen Lesen bei einigen Passagen geschwächelt hätte, Hören geht flüssiger.
Carlos Ruiz Zafón, Das Spiel des Engels. Argon 2008.

Sunshine's whisper

Sie ist wiedergefunden.
Was?
Die Ewigkeit.
Es ist das Meer
verbunden mit der Sonne
in eins.
postcrossing Karte von Zheng Yi aus China

Saturday, July 24, 2010

Annie Proulx: Hinterland


Ich war einmal in Wyoming. Die National Parks Grand Teton und Yellowstone liegen ganz oder teilweise in diesem nahezu quadratischen Bundesstaat der USA. Große Weite. Viele Berge, Prärie. Büffel am Wegesrand. Soweit meine Erinnerungen.
Annie Proulx lebt seit 1995 in Wyoming, was bislang zu drei Bänden mit Kurzgeschichten über die Menschen dort geführt hat:
  • Close Range, 1999 („Weit draußen“)
  • Bad Dirt, 2004 („Hinterland“)
  • Fine Just the Way It Is, 2008 („Hier hat's mir schon immer gefallen“)

Bekannt wurde Proulx durch den Roman Schiffsmeldungen (großartig verfilmt von Lasse Hallström, 2001) und die sehr erfolgreiche Verfilmung ihrer Kurzgeschichte Brokeback Mountain, 2005, durch Ang Lee mit Heath Ledger.

Die Geschichten in Hinterland bieten einen Querschnitt durch die Bevölkerung von Wyoming: Wildhüter, Bardamen, Rancher, Cowboys und ausgestiegene New Yorker - um nur einige zu nennen. Einige der Personen tauchen in mehreren Geschichten auf und man freut sich darüber, wie über ein Wiedersehen mit alten Bekannten. Annie Proulx bringt einem die Verschrobenen und die Gescheiterten, die Guten und die Bösen gleichermaßen nahe, man empfindet Sympathien, erhält aber gleichzeitig einen unverstellten Blick auf die Unbarmherzigkeit, aber auch auf die teils dramatische Schönheit dieses schwach bevölkerten und unwirtlichen Bundesstaates.
Sicherlich kein gewöhnliches Buch, das selbst mir als nicht so großen Fan von Kurzgeschichten Freude bereitet hat.

Interview mit Annie Proulx, geführt in Wyoming (!), bei abendblatt.de
Annie Proulx: Hinterland. Neue Geschichten aus Wyoming. Luchterhand, München 2005.

Friday, July 23, 2010

Tove Jansson: Geschichten aus dem Mumintal



Im Zuge der postcrossing Postkarten aus Finnland bin ich den Mumins wiederbegegnet und habe jetzt den ersten Band der Geschichten mit den Trollen von Tove Jansson gelesen. Es sind faszinierende, traumhafte Geschichten mit großen und kleinen Wahrheiten, eine schöner als die andere, mit Charakteren, in denen man sich wiederfindet und zustimmend nickt und vielleicht sogar etwas lernt. Zauberhaft.

Tove Jansson, Geschichten aus dem Mumintal. Arena, Würzburg 2007.